21.06.2004
Ein System – zwei Nutzen
Gasklimagerät heizt und kühlt Verwaltungsgebäude
Im Oktober letzten Jahres nahm die Energieversorgung Filstal GmbH & Co. KG in Göppingen eine neue Klimaanlage in ihrem Verwaltungs-gebäude in Betrieb. Zum Einsatz kommt hier eine gasmotorisch angetriebene Wärmepumpe mit Direktverdampfung/-kondensation. Entscheidende Vorteile dieser Lösung: Das eingesetzte Gasklimagerät kann sowohl heizen als auch kühlen und arbeitet darüber hinaus durch die Verwendung von Erdgas als Energieträger effizient und umweltschonend.
In den vergangenen Jahren ist der Klimatisierungsbedarf insbesondere in Bürogebäuden und Verwaltungsbauten angestiegen. Die Ursache dafür liegt zum einen in der modernen Architektur, die sich nicht selten durch einen hohen Glasflächenanteil in der Fassade auszeichnet. Dies führt durch die Sonneneinstrahlung zu einer erhöhten Kühllast im Gebäude. Die hohen Lasten werden durch die verschärften Wärmeschutzanforderungen der Energieeinsparverordnung an die Dichtheit einer Gebäudehülle noch verstärkt, wird doch dadurch die Abgabe der Raumwärme über das Mauerwerk an die Umgebung vermindert. Zum anderen heizt die zunehmende Anzahl elektronischer Geräte – wie Kopierer, Faxgeräte, Bildschirme und Computer –, die mittlerweile zur Standardausrüstung eines Büros zählen, die Innenräume zusätzlich auf. Die Folge: Insbesondere während der Sommermonate reichen die Möglichkeiten der passiven Kühlung nicht mehr aus – ein thermisch behagliches Raumklima ist nur mit einer raumlufttechnischen Anlage zu gewährleisten.
Im
Verwaltungsgebäude der Energieversorgung Filstal GmbH &
Co. KG übernimmt diese Aufgabe eine Wärmepumpe, die
eine Wärme-/Kälteleistung von 67 beziehungsweise 56
kW liefert und von einem Gasmotor angetrieben wird. Diese beiden
Komponenten bilden zugleich die Außeneinheit der Klimaanlage.
Die Verbindung zu den Inneneinheiten in den einzelnen Räumen
erfolgt über Kältemittel-leitungen. Die Inneneinheiten
selbst sind den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten angepasst
und beispielsweise als Deckeneinbaugerät, Unterdeckengerät,
Textilschlauch mit Luftaustrittsöffnungen oder als Wandgerät
ausgeführt.
Ein entscheidender Vorteil dieser wärmepumpenbasierten Lösung
liegt darin, dass das Gasklimagerät wahlweise heizen oder
kühlen kann. Im Gegensatz zu vielen konventionellen Systemen
wird also nur ein Gerät benötigt. Die Gasmotorwärmepumpe
hat darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Da sie im
Heizmodus auch noch die Wärme der Umgebungsluft sowie die
Abwärme des Motors nutzt, arbeitet sie besonders effektiv
und erreicht entsprechend hohe Wirkungsgrade. Wird als Energiequelle
Erdgas eingesetzt, profitiert auch noch die Umwelt. Denn nach
Angaben der ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen
Energieverbrauch e. V. verursacht Erdgas im Vergleich zu den anderen
fossilen Energieträgern die mit Abstand geringsten Schadstoffemissionen.
Generell
besitzen Gasklimaanlagen noch weitere technische Vorteile wie
eine hohe Regelgenauigkeit, einen relativ geräuscharmen Betrieb
sowie eine hohe Zuverlässigkeit, die sich in entsprechend
langen Wartungsintervallen niederschlägt. Außerdem
ist keine Unterbrechung des Heizbetriebs wegen der Abtauung des
Verdampfers notwendig, die Aufheizphase verkürzt sich durch
die Nutzung der Motorabwärme und bei niedrigen Außentemperaturen
tritt auch kein nennenswerter Abfall der Heizleistung ein. Hinzu
kommen wirtschaftliche Vorteile wie das Entfallen einer elektrischen
Leistungsanpassung und vergleichsweise geringe Energiekosten bei
Verwendung von Erdgas. Das bestätigt auch eine Vollkostenrechnung
entsprechend VDI-Richtlinie 2067.
Grundlage für das Kühlen und Heizen mit Gasklimageräten
ist der Kaltdampfprozess: In einem geschlossenen Kreislauf nimmt
ein Kältemittel beim Verdampfen auf niedrigem Druck- und
Temperatur-niveau Wärme aus der Umgebung auf. Der entstandene
Kältemittel-dampf wird in einem Verdichter unter Zufuhr von
Antriebsenergie auf ein höheres Druckniveau komprimiert (mechanische
Kompression mittels Gasmotor), wobei auch das Temperaturniveau
ansteigt. Im Kondensator verflüssigt sich das Kältemittel
anschließend wieder und setzt Wärme frei. Danach wird
das flüssige Kältemittel über ein Druckreduktionsventil
entspannt und kühlt sich dadurch weiter ab – nun kann
der Kreislauf von neuem beginnen. Der Kaltdampfprozess kann sowohl
für die Beheizung als auch für die Kühlung von
Gebäuden eingesetzt werden. Im Heizbetrieb nutzt der Verdampfer
die Wärme aus der Umgebungsluft, um das Kältemittel
zu verdampfen. Das so erwärmte Kältemittel wird danach
im Verdichter auf ein noch höheres Temperatur- und Druckniveau
gebracht, um anschließend diese Wärme über einen
Kondensator – zusammen mit der Abwärme des Gasmotors
– wieder abzugeben.
Beim Kühlbetrieb wird die Fließrichtung des Kältemittels
einfach umgedreht: Das flüssige Kältemittel wird zunächst
zu den Innenein-heiten der Klimaanlage transportiert, wo es durch
Verdampfung dem Raum einen Teil der Wärme entzieht. Anschließend
durchläuft das Kältemittel den Verdichter, ehe es in
den Kondensator gelangt und dort seine Wärme an die Umwelt
abgibt.
Außerdem können Gasklimageräte die Raumluft auch
noch entfeuchten. Diese Zusatzfunktion besitzt eine nicht zu unterschätzende
Bedeutung, denn während Fachleute im Mittel bei Gebäuden
ohne größere innere Wärmelasten von einem durchschnittlichen
Kühlbedarf von 35 Tagen pro Jahr ausgehen, sehen die Experten
einen durchschnittlichen Entfeuchtungsbedarf von rund 100 Tagen
pro Jahr.
