20.05.2019

Die ASUE informiert auf den Berliner Energietagen 2019 über "Vier Elemente für eine erfolgreiche Quartiersversorgung"

Die Energiewende in die Quartiere holen

Ohne die energetische Sanierung von Quartieren kommen heutige Szenarien zu Energie- und Wärmewende schnell an ihre Grenzen. Mit einer aktuellen Sanierungsquote von weniger als 1 Prozent werden die Klimaziele bis 2050 weit verfehlt.

Im Neubau ist die Situation wenig anders: Das kommende GEG wird zwar die erfolgreiche EnEV fortsetzen, aber fehlende Energiekonzepte der Kommunen und wirtschaftliche Interessen von Investoren und Erschließungs-gesellschaften gefährden die Umsetzung von unbedingt notwendigen, energieeffizienten Konzepten.

Dass es auch anders geht, zeigen die Vorträge der von der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE e. V.) organisierten Veranstaltung 6.10 am 22. Mai in Raum F der Berliner Energietage.

Die Bestandssanierung

Ein Projekt der Stadtwerke Augsburg zeigt, welche Möglichkeiten die Kombination von technischen Innovationen für die oft komplizierte Sanierung von Bestandsimmobilien bietet. In dem 2018 mit dem Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft ausgezeichneten Projekt wurde eine mit erneuerbarem Strom betriebene Powert-to-Gas-Anlage (PtG) zukunftsweisend im Heizungskeller eines 1974 gebauten und 2019 sanierten Wohnkomplexes installiert. Die Abwärme dieses Prozesses wird anders als beim PtG-Betrieb in landwirtschaftlichem Umfeld zum Heizen genutzt. Das Gas wird für die spätere Nutzung gespeichert.

Ein weiterer Clou: Das Abgas der Spitzen-lastheizungen (BHKW plus Gaskessel) wird aufgefangen und für den PtG-Prozess genutzt. Auf diese Weise „erreichen wir die von der Bundesregierung für 2050 geforderten Standards schon heute!“, sagt Karl-Heinz Viets, Leiter Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken Augsburg.

Anstelle der technologischen Kernsanierung können aber auch Bewohner über Mieterstromkonzepte aktiv an der Energiewende beteiligt werden. Diese nicht unbedingt einfach umzusetzende Lösung wurde von Holger Siegmund, Geschäftsführer der MOVE Services GmbH, eindrucksvoll demonstriert. Durch transparente Abrechnung und offene Kommunikation sind Mieter bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich für eine nachhaltigere Energieversorgung ihrer Wohnungen zu engagieren. Es bleibt zu hoffen, dass das Mieterstromgesetz baldmöglichst reformiert wird, um diese Konzepte effektiv zu unterstützen.

Der effiziente Neubau

Im Neubau kann die ganze Bandbreite der zur Verfügung stehenden Technologien eingesetzt werden. Hier müssen keine Belange des Denkmalschutzes oder beengte Raumsituationen beachtet werden. Vielmehr gilt es, die folgenden Parameter zu prüfen und bei der Planung die effizienteste Zusammenstellung zu wählen:

  • Welche Erneuerbaren Energien sind nutzbar (Sonne, Wind)?
  • Welche Quellen von Umweltwärme sind nutzbar (Luft, Boden, Wasser)?
  • Wie ist die Entwicklung des Wärmebedarfs und des Wärmenetzes zu planen?

Neben diesen grundlegenden Faktoren gibt es viele kleinere Projektdetails, die zu sehr verschiedenen Ansätzen bei der Quartiersversorgung im Neubau führen.

So berichtet Jens Dammer von der erdgas schwaben GmbH von einem Bauträger, der in seinen Neubaugebieten nur noch Häuser erstellt, die mit Brennstoffzellen-Heizungen ausgestattet sind. Die hohe Effizienz dieser Technologie erlaubt den sparsamen Einsatz des Brennstoffs Gas bei gleichzeitiger Eigenstromerzeugung. Dies entlastet die lokalen Netze und refinanziert sogar die installierte Heizung.

Einen auf hohem Automatisierungsgrad basierenden Ansatz zeigt Eberhard Holstein von der Flowerpower-Energy GmbH. Im neuen Blütenviertel vor den Toren Potsdams wird ein Inselnetz aufgebaut, das durch eine umfangreiche Ausstattung mit Sensoren und Reglern permanent optimiert wird und seine Leistungsparameter an den tatsächlichen Bedarfen der Bewohner orientiert. So können die zentralen BHKW und Wärmepumpen in ihren optimalen Leistungsbereichen laufen und damit emissionsarm und umweltschonend betrieben werden.

Quartiere als Schlüssel zum Erreichen der Klimaziele

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Technologien und Anbieter bereitstehen, den Energiestandard von Neu- und Bestandsimmobilien flächendeckend auf das notwendige Niveau anzuheben. Was nach wie vor fehlt sind

  • klare Bekenntnisse zu einer technologieoffenen Umsetzung von QV-Projekten,
  • klare Definitionen der Begriffe „Quartier“ und „Kundenanlage“ und
  • rechtssichere und langfristig angelegte Regelungen, die die Investition auch in aufwändigere Effizienztechnik ermöglichen.

Mit dem Energieträger Erdgas können hocheffiziente Versorgungssysteme aufgebaut werden, in denen erneuerbare Energien integriert sind und Strom mit hohem Wirkungsgrad erzeugt wird. Dabei kann Gas zusätzlich die Funktion des Speichers erneuerbar Energie übernehmen.

Über ASUE e. V.

Die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e. V. wurde 1977 gegründet. Sie fördert vor allem die Weiterentwicklung und weitere Verbreitung sparsamer und umweltschonender Technologien auf Gasbasis. Dabei ist es vorrangiges Ziel, Energiespartechniken den Weg in die praktische Anwendung zu ebnen.

Die ASUE fokussiert sich mit ihren technischen Arbeitskreisen und fachkundigen Beschäftigten auf das komplette Spektrum der technischen Prozesse gasbasierter Anwendungstechnik. Die ASUE­-Broschüren informieren SHK­Unternehmen, Planer und Architekten über neue Vorschriften, Anwendungsbeispiele und Optimierungsmöglichkeiten. Mit ihrem Sitz in Berlin ist die ASUE an den Diskursen der Ministerien, Verbände und Umweltgruppen beteiligt.

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Jürgen Stefan Kukuk
Telefon: 0 30 / 22 19 13 49-0
E-Mail: kukuk@asue.de