Quartiersversorgung

Die Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser macht 32 % des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland aus. Ineffiziente Heizungsanlagen und unzureichende Wärmedämmung sind für den hohen Energieverbrauch verantwortlich. Eine effiziente Wärmeversorgung kann viel Energie und somit CO2 einsparen.

Die zentrale Wärmeversorgung, also die gemeinsame Versorgung mehrerer Wohneinheiten mit Wärme und/oder Strom und Kälte, ist ein Weg, mit dem Energie eingespart werden kann, wie viele Beispiele aus der Praxis zeigen. Erneuerbare Energiequellen und Abwärme (z. B. aus Industrie oder dem Abwasserkanal) können besser genutzt und durch hocheffiziente Technologien vernetzt werden. Stehen Freiflächen zur Verfügung, kann Wärme oder Kälte gespeichert werden.

Weitere Vorteile sind niedrigere Kosten für den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung der Heizungsanlagen im Vergleich zur dezentralen Wärmeerzeugung. Auch wird weniger Platz im Wohngebäude benötigt. Durch Contracting-Modelle können die Bewohner zusätzlich entlastet werden.

Fernwärme und Nahwärme

Es gibt keine konkrete Abgrenzung zwischen den Begriffen Fernwärme und Nahwärme. Fernwärme ist der übergeordnete Begriff für Wärme, die über ein Leitungssystem zu den Gebäuden gebracht wird. Auch in der Gesetzgebung wird Fernwärme entsprechend definiert (siehe EEWärmeG, KWKG, Definition des BGH).

In der Praxis werden die Begriffe hinsichtlich der Ausdehnung des Netzes und der Netztemperaturen unterschieden. Konventionelle Fernwärmenetze versorgen große Gebiete mit Wasser oder Wasserdampf mit hohen Temperaturen. Wärme, die über relativ kurze Strecken (aber außerhalb von Gebäuden) zu Verbrauchern transportiert wird, wird als Nahwärme bezeichnet. Die Netztemperaturen sind meist niedriger als in Fernwärmenetzen (RP-Energie-Lexikon).

Quartiersversorgung

Der Begriff „Quartiersversorgung“ konkretisiert die Ausdehnung von Nahwärmenetzen, indem das Versorgungsgebiet hinsichtlich seiner räumlichen und sozialen Struktur abgegrenzt wird. Gleichzeitig umfasst dieser Begriff nicht nur die Versorgung mit Wärme, sondern auch mit Strom und gegebenenfalls mit Kälte. Neben der Baustruktur sind die Versorgungsstruktur, die Nutzungsstruktur (Wohn-, Gewerbe-, Mischgebiete) und die Eigentümerstruktur wichtige Abgrenzungsmerkmale für Wärmenetze.

Quartier ist nicht gleich Quartier

Da sich jedes Quartier, jeder Stadtteil oder jede Region hinsichtlich der Struktur und Lage und hinsichtlich der sozialökonomischen Verhältnisse unterscheidet, gibt es keine technologischen Standardsysteme für die Errichtung von Wärmenetzen, sondern nur individuelle Lösungen, die auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind. Neben der Unterscheidung zwischen Neubaugebieten und Gebäudebestand gibt es noch weitere Merkmale, die die Auslegung von Wärmenetzsystemen maßgeblich bestimmen. So liegt es nahe, die in ländlichen Regionen anfallende Biomasse für die Wärme- und/oder Stromerzeugung zu nutzen. In Ballungsräumen steht diese Energiequelle nicht zur Verfügung. In Bestandsbauten hängt die Nutzungsmöglichkeit von Sonnenenergie von der Konstruktion und Ausrichtung der Dachflächen ab. In Ballungsräumen ist das Verlegen von Erdsonden oft problematisch. Hier wäre die Einbindung von Abwärme aus dem Abwasserkanalnetz eine Option. Auch die Errichtung von Niedrigtemperaturnetzen ist im Gebäudebestand nicht immer möglich, da oftmals höhere Vorlauftemperaturen erforderlich sind.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die soziale Struktur des Quartiers. Einfache Lösungen, die Erneuerbare Ernergie mit effizienten Gastechnologien kombinieren, sparen Energie ein. Gleichzeitig sind sie wirtschaftlich und können aus Gründen der Sozialverträglichkeit besser geeignet sein, als ambitionierte Systeme, die ausschließlich auf Erneuerbaren Energien basieren.

Fact Sheet

Quartiersversorgung im Gebäudebestand
Gerade städtische Quartiere und unsaniertem Zustand können sich durch innovative und multivalente Energiekonzepte weiterentwickeln.

ASUE Fact Sheet: Quartiersversorgung im Gebäudebestand

 

Fact Sheet

Quartiersversorgung im Neubau
Bei der Entwicklung von Neubaugebieten sollten innovative und multivalente Energiekonzepte Teil jeder Planung sein.

ASUE Fact Sheet: Quartiersversorgung im Neubau

 

Präsentation

Innovative Wärmestrukturen als wichtiger Bausteine der Energiewende
Ein technologische Übersicht über effiziente, multivalente Energiekonzepte

Jürgen Kukuk: Innovative Wärmenetze