05. Juni 2020

Wasserstoff als Retter? Tag des Wasserstoffs zeichnet verschiedene Bilder

Berlin, 05.06.2020. Auf den erstmalig digital durchgeführten Berliner Energietagen haben sich drei Partner zusammengefunden. Mit der ASUE, dem B.KWK und der GASAG haben drei Veranstalter am 04. Juni einen Tag des Wasserstoffs auf die Beine gestellt, der umfassend über Gegenwart und Zukunft des „neuen Gases“ informierte.

Den Auftakt bestritt eine von dem Berliner Energieversorger GASAG organisierte Diskussionsrunde mit dem Titel „Wasserstoff – Hype oder Trend?“ unter der Moderation des energate-Redakteurs Dr. Heiko Lohmann. Die Teilnehmer (Stefan Kapferer, CEO 50Hertz, Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der dena und Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der GASAG AG) forderten eine technologieoffene Diskussion um die Energiezukunft und stellten auch die weitere Nutzung von Gasspeichern in den Vordergrund. Die Diskussion über den Einsatz von Wasserstoff in Industrie oder im Wärmemarkt könnten nur über marktwirtschaftliche Verfahren entschieden, nicht aber staatlich verordnet werden.

Wasserstoffstrategie? Fehlanzeige! Trotzdem voran?

Zum Start des von ASUE und B.KWK organisierten Programms „Wasserstoff im Wärmemarkt“ stellte MdB Dr. Julia Verlinden (GRÜNE) heraus, dass ihre Fraktion klar gegen eine direkte Nutzung von Wasserstoff im Wärmemarkt sei. Wasserstoff werde eine teure und knappe Ressource sein, die sich dort einsetzen ließe, wo andere erneuerbare Energien nicht einsetzbar seien. Im Wärmemarkt sollten Effizienzmaßnahmen und Wärmepumpen priorisiert werden. Wichtiger wäre es, den Verbrauch insgesamt zu halbieren und dabei das Konzept der „Fairen Wärme“ ihrer Partei zu befolgen.

Nach diesem Gegenwind und der zuletzt mehrfach verschobenen Verabschiedung der Wasserstoffstrategie zeigten die drei Beiträge dieser Session, dass der Markt der Gesetzgebung derzeit vorauseilt.

So entsteht im baden-württembergischen Esslingen unter Führung von Prof. Fisch (EGS-plan Ingenieurgesellschaft mbH) derzeit ein Quartier, das durch eine in die Gebäudeheizung integrierte Elektrolyseanlage die darin sonst üblichen Wirkungsgradverluste durch die Nutzung der Abwärme wettmacht. Der erzeugte Wasserstoff werde stattdessen gewinnbringender in Transport und Industrie eingesetzt. Grundsätzlich mahnte Prof. Fisch, sich in Bezug auf die Energiewende der hohen anfallenden Kosten bewusst zu werden. Abschließend forderte er eine Einspeisevergütung für Grünen Wasserstoff.

Warum derzeit viele zumindest ähnlich gedachte Projekte wirtschaftlich nicht durchführbar sind, brachte Norbert Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerk Haßfurt GmbH, auf den Punkt: „Die Zahlung von EEG-Umlage auf [in Power-to-Gas-Anlagen, Anm. ASUE] eingesetzten Strom ist völliger Unsinn!“.

Zösch stellte in seinem Beitrag ein Versorgungsgebiet dar, in dem technologieoffen, integriert und erfolgreich an der emissionsminimierten Energiezukunft gearbeitet wird.

Abrundend führte Jan Schymassek (Avacon Netz GmbH) in die Gasnetzplanung für die Aufnahme von bis zu 20 % Wasserstoff ein und stellte vollkommen überraschend hervor, dass der kritischste Projektfaktor die Beteiligung der betroffenen Bürger sei. Gleichwohl sehe er sich durch die am Projekt beteiligten DBI und DVGW für die überschaubaren technischen Änderungen gut gerüstet.

Gelungener Energietag

Auf den erstmalig digital ausgetragenen Energietagen konnten wir uns über mehr als 500 Anmeldungen freuen. Die zwischenzeitlich mehr als 400 tatsächlich anwesenden Teilnehmer auf GoToMeeting und in dem LiveStream auf YouTube diskutierten im Chat mitunter angeregt über präsentierte Aussagen und Positionen.

Der Tag des Wasserstoffs hat zudem gezeigt, dass der reine Wärmemarkt eine Herausforderung für den Wasserstoff darstellt. Die Politik und auch zwei der vorgestellten Projekte gaben der Industrie und dem Lastverkehr den Vorzug bei der Wasserstoffnutzung. Hier gilt es für die Wärmeanwendung, zukünftig verstärkt die Beimischung von Wasserstoff mit bis zu 20 % im Gasverteilnetz anzustreben und dadurch den erneuerbaren Anteil in einem überaus breiten Anwendungsfeld zu erhöhen.  Die Kosten der dafür notwendigen technischen Anpassungen sind derart überschaubar, dass im Wärmemarkt im Blick auf das Gesamtsystem die geringsten Kosten zur Vermeidung von CO2-Emissionen aufgerufen werden.

Der Mitschnitt der Veranstaltung kann in Kürze im YouTube-Kanal der ASUE angesehen werden.

 

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Jürgen Stefan Kukuk
Telefon: 0 30 / 22 19 13 49-0
E-Mail: kukuk@asue.de


Download der Meldung

ASUE und BKWK auf den Energietagen 2020: Wasserstoff im Wärmemarkt

Mitschnitt

Die Berliner Energietage wurden 2020 wegen der Coronakrise erstmalig digital veranstaltet. Eine Aufzeichnung des Wasserstofftages ist in unserem YouTube-Kanal unter www.youtube.de/asue jederzeit abrufbar.

Download der Vorträge

Norbert Zösch, Stadtwerk Haßfurt GmbH

Weiter Energietage-Vortrag von Norbert Zösch, Stadtwerk Haßfurt

Jan Schymassek, Avacon Netz GmbH

Weiter zum Energietage-Vortrag von Jan Schymassek, AVACON

Prof. Dr. Manfred Norbert Fisch, EGS-plan Ingenieurs-GmbH

Weiter zum Energietage-Vortrag von Professor Fisch, EGS plan