14.12.2005

Chancen von Contracting nutzen

Einsparpotenziale durch Energiedienstleistungen

Die Industrie macht es vor: Erfolgreich sind hier vor allem Unternehmen, die sich von jenen Geschäftsfeldern getrennt haben, die aufgrund fehlenden Know-hows nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören. Für den Bereich der Energieversorgung haben in diesem Sinne die Energieversorgungsunternehmen die größte Kompetenz. Warum also nicht von deren Know-how profitieren und durch Contracting – also die Inanspruchnahme von Energiedienstleistungen – Einsparpotenziale realisieren? 

Die häufigste Form des Contractings stellt die Wärmelieferung dar. Aber auch für die Erzeugung anderer Nutzenergien wie Strom, Kälte/Klimatisierung, Dampf oder Druckluft werden zunehmend Contracting-Projekte realisiert. Dementsprechend vielfältig ist auch der potenzielle Kundenkreis: Er umfasst im Prinzip alle Bereiche, in denen Energie in irgendeiner Form gebraucht wird, und reicht beispielsweise von kommunalen und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten über Krankenhäuser und Wohngebäude bis hin zu Industrie- und Gewerbebetrieben. 

Prinzipiell unterscheidet man vier Arten von Contracting: Beim Energieliefer- oder Anlagen-Contracting übernimmt der Contractor die Optimierung der Energie- und Gebäudetechnik, die Planung, Finanzierung, Errichtung und den Betrieb von Energieanlagen sowie den Energieein- und Nutzenergieverkauf. Das Einspar- oder auch Performance-Contracting geht noch einen Schritt weiter, denn dabei wird dem Kunden darüber hinaus noch eine definierte Verbesserung garantiert, zum Beispiel hinsichtlich der Energieeinsparung oder der Wirtschaftlichkeit. Das technische Anlagenmanagement (Betriebsführungs-Contracting) umfasst die Optimierung der Betriebskosten von Energieanlagen sowie die Betriebsführung (Bedienung und Instandhaltung) von neuen und bestehenden Anlagen. Bei der letzten Contracting- Form – dem Finanzierungs-Contracting oder auch Anlagenbau-Leasing – übernimmt der Contractor die Optimierung der Investitionskosten für Einrichtungen und Anlagen sowie die Finanzierung der Investitionen, der Contracting-Kunde betreibt die Anlage anschließend aber auf eigenes Risiko. 

Der Kreis der Contracting-Anbieter umfasst Energieversorgungsunternehmen, Anlagen- und Komponentenhersteller, Energieagenturen,Handwerksbetriebe, Ingenieurbüros, Messdienstfirmen und Gebäudedienstleister. Vor allem die Energieversorgungsunternehmen bringen gute Voraussetzungen mit, um in Contracting-Projekten eine führende Rolle zu spielen beziehungsweise als verantwortlicher Contractor aufzutreten, weil sie: 

  • als Energielieferanten die langfristig sichere Versorgung der Energieanlagen mit Erdgas gewährleisten können,
  • falls sie als Verbundunternehmen auch die Stromversorgung betreiben, bei Projekten zur Kraft-Wärme-Kopplung den nicht vom Energienutzer benötigten Strom übernehmen sowie die Reserve- und Zusatzstromversorgung selbst bereitstellen können,
  • teilweise die Möglichkeit haben, beim Nutzer nicht benötigte Wärme in eigene Nahwärmenetze einzuspeisen und
  • generell über die Kompetenz – zum Beispiel für Planung, Betrieb und Abrechnung –, die Infrastruktur (etwa 24-stündiger Bereitschaftsdienst) und die Erfahrung verfügen, um die technischen Risiken bei Erstellung und Betrieb der Anlage tragen und damit auch die wirtschaftlichen Risiken des Projekts minimieren zu können. 

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Contracting-Projekt ist das historische Kaufhaus, genannt „Tanzhaus“, in Donauwörth. Dort war eine Heizungsanlage aus dem Jahr 1974 – bestehend aus zwei 371-kW-Gaskesseln ohne Leistungsmodulation –, die aus betriebstechnischen Gründen mit einer erhöhten Rücklauftemperatur betrieben werden musste, zu erneuern. Die Erdgas Schwaben GmbH bot der Stadt Donauwörth an, die Planung der neuen Wärmeerzeugungsanlage zu übernehmen und deren Umbau zu finanzieren, einen der beiden Altkessel zu demontieren, einen Brennwertkessel einschließlich Brenneranlage sowie Zubehör einzubauen und an den vorhandenen Verteiler anzuschließen. Weiterhin umfasste das Angebot den Umbau des bisher offenen Heizungssystems in ein geschlossenes mit Membranausdehnungsgefäß, die Schornsteinsanierung, Betrieb, Wartung und Instandhaltung der Wärmeerzeugungsanlagen nach VDI 2067 sowie die Betriebsüberwachung und Störfallbehebung durch einen 24-Stunden-Dienst und Fernwirktechnik. 

Für die Stadt als Betreiber waren die Argumente des Contracting-Anbieters Erdgas Schwaben überzeugend, brauchte doch die Stadt selbst keinerlei Finanzierungsmittel für die Investitionskosten aufbringen und musste sich auch nicht um die Planung, Bauausführung und -überwachung kümmern. Zudem wurde die Stadt von allen Aufgaben und Kosten entlastet, die mit dem Betrieb, der Instandhaltung, der Wartung und einer eventuellen Störung verbunden sind, weil das Betreiberrisiko allein bei der Erdgas Schwaben GmbH liegt. 

In Zuge der Heizungssanierung ließen sich beachtliche Einsparungen realisieren. So ging der Erdgasverbrauch von 612.000 kWhHs pro Jahr auf 400.000 kWhHs zurück und die Kohlendioxid-Emissionen sanken von 123 Tonnen pro Jahr auf 80 Tonnen. Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert zeigt sich denn auch vollkommen zufrieden: „Aus Sicht der Kommune hat sich die Sanierungsmaßnahme im Tanzhaus bewährt. Die deutliche Energieeinsparung von rund 35 Prozent pro Jahr führte zu einer klaren Kosteneinsparung, die den Mietern zugute kommt. Außerdem konnte durch die Energieeinsparung eine beachtliche Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen erzielt werden“. 

Weiter gehende Informationen enthalten die von der ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e. V. herausgegebenen Broschüren „Contracting“ und „Energiedienstleistungen – Problemlöser für Kommunen“. Beide Publikationen sind über die ASUE, Tel. (0631) 360 90 70, Fax. (0631) 360 90 71, E-Mail: info@asue.de, zu beziehen. Einzelexemplare werden kostenfrei abgegeben.

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Jürgen Stefan Kukuk
Telefon: 0 30 / 22 19 13 49-0
E-Mail: kukuk@asue.de