Arbeitskreis: Gaswärmepumpen und Kältetechnik

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2015

Eine angestrebte europaweite Reduzierung der Treibhausgasemissionen von über 80 % gegenüber dem Stand von 1990 kann nur erreicht werden, wenn das Ziel der Effizienzsteigerung nicht aus dem Auge verloren wird. Einen großen Anteil daran hat der Wärmemarkt. Auf die Auswahl der Heiztechnologie und Energieträger hat der Primärenergiefaktor einen großen Einfluss und somit ist eine Veränderung des PEF durchaus wettbewerbsrelevant. Moderne, hocheffiziente Gaswärmepumpen verlieren gegenüber den elektrisch betriebenen Wärmepumpen allein durch eine weitere Reduzierung des PEF für den Strommix an Boden, ohne eine tatsächliche Effizienzsteigerung zu erreichen.

Europaweit sind laut European Heat Pump Summit rund 800.000 Wärmepumpen (strom- und gasbetrieben) installiert, wobei auf Deutschland nur etwa 68.000, zum größten Teil Strom-WP, fallen. Diese Zahlen, insbesondere des deutschen Marktes, sind aber kritisch zu bewerten, da sich lt. Aussage der Hersteller nicht alle an dem Summit beteiligen und ihre Zahlen veröffentlichen. Aber das Potential auf dem deutschen Markt ist vorhanden.

Auch in diesem Jahr fand am 28.05.2015 eine Fachtagung des Arbeitskreises statt, diesmal in Remagen. Planer, Hersteller und Anwender zeigten anhand von Referenzanlagen wie Gebäude, IT-Zentren und gewerbliche Einrichtungen effektiv mit Gaswärmepumpen beheizt und gekühlt werden können. Der zunehmende Kältebedarf in Gebäuden erfordert ein Versorgungskonzept, das geringe Energiekosten verursacht und Umweltwärme nutzt, um auch den gesetzlichen Anforderungen aus EnEV und EEWärmeG standzuhalten. Im Fokus der Tagung standen Best Practice Beispiele der Referenten, die sich an Planer, Stadtwerke und deren Kunden, Installateure aus dem Bereich Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie Gewerbe mit Kühlbedarf richteten. Ergänzt wurde das Programm der Fachtagung durch einen Beitrag von Herrn Prof. Dr.-Ing. Jochen Arthkamp (Technische Fachhochschule Georg Agricola zu Bochum) mit dem Thema „Gasmotorwärmepumpen: Potenzial zur Energiewende in Deutschland auf Basis der Erfahrungen aus Japan“. Die Vorträge wurden als Tagungsband „Erdgas-basierte Kühlung von Gewerberäumen und IT-Einrichtungen“ in gewohnter Form veröffentlicht.

Im Anschluss an die Fachveranstaltung fand die Arbeitskreissitzung auf Einladung von Herrn Kozika von der rhenag in Siegburg statt. Schwerpunktthema war die Auswertung der Fachtagung. Das Feedback der Tagungsteilnehmer war durchweg positiv, den Wunsch nach zum Teil mehr technischer Tiefe in den Vorträgen werden wir als Anregung für die nächste Tagung in 2016 aufnehmen. Geplant ist diese Fachtagung in Dresden, mit einer Themenauswahl, die wieder ein breites Publikum adressieren soll. Insbesondere sollen Architekten angesprochen werden. Wir prüfen daher eine Anerkennung der Fachveranstaltung als Weiterbildungsmaßnahme durch die Architektenkammer. Bei positiver Beurteilung werden wir im Veranstaltungskalender gelistet und können mit dem „Prüfsiegel“ werben.

Die für den Herbst geplante Arbeitskreissitzung fand aufgrund von Terminproblemen am 13.01.2016 auf Einladung von Herrn Becker von der Fa. Berndt Enersys in Gelsdorf statt. Hauptdiskussionspunkte waren die Konkurrenz zur Strom-Wärmepumpe und der immer noch geringe Bekanntheitsgrad der Gaswärmepumpen. Eine erste Hürde, die Skepsis der Branche gegenüber dem Gasmotor, scheint bewältigt, der Gasmotor ist als Antrieb für die Wärmepumpe durch die Marktbeteiligten akzeptiert. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpenprojekten werden immer wieder die höheren Investitionskosten als Argument gegen den Einsatz von Gas-Wärmepumpen angeführt. Im Vergleich mit einer Wärmepumpe sollte aber immer der gesamte Projekthintergrund bewertet werden. Insbesondere bei größeren Kälte-/Wärmeanlagen können Investitionen z. B. in teure Stromhausanschlüsse, die Mehrinvestitionen ausgleichen.

Ein Hinweis kam von der Herstellerseite: Um nicht ständig im direkten Vergleich zu den Elektrowärmepumpen zu stehen, in den meisten Fällen wird immer noch der Begriff Wärmepumpe mit Strom in Verbindung gebracht, kam der Vorschlag, wieder den Begriff „Gasklimageräte“ zu verwenden, mit dem Vorteil der Kühlung und des Heizens.

Die weitere Diskussion hat ergeben, dass eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit notwendig ist, um den Verbund von Geräteherstellern, Installateuren, Planern und Gasversorgern zu stärken. Geeignete Maßnahmen wurden identifiziert wie z. B. Seminare / Fachtagungen mit Weiterbildungscharakter (wurde für die ASUE-Fachtagung 2016 bereits aufgenommen), gemeinsame Auftritte von Verbänden und Herstellern um größere Präsenz und höhere Aufmerksamkeit z. B. auf Messen zu zeigen.

Das Thema Energiesteuerbefreiung wurde durch Herrn Becker vorgestellt und im Arbeitskreis diskutiert. Jeder Gasverbraucher, der zur Beheizung verwendet wird, und einen Nutzungsgrad von mind. 60 % aufweist, wird mit dem sogenannten verminderten Steuersatz von 5,5 €/MWh belegt. Dies gilt auch für Gaswärmepumpen im Heizbetrieb.

Der für den Kühlbetrieb notwendige Gaseinsatz fließt negativ in die Berechnung des Nutzungsgrades ein. Eine zusätzliche Steuerentlastung wird nur gewährt, wenn ein Jahresnutzungsgrad über 70 % nachgewiesen wird. Unter normalen Voraussetzungen sollte eine Gaswärmepumpe im normalen Heiz- und Kühlbetrieb einen Jahresnutzungsgrad von 60 % erreichen und somit den verminderten Steuersatz erhalten. Eine Kurzinformation unter der Mithilfe von Berndt Enersys wurde erstellt und Anfang 2016 veröffentlicht. Auch im Jahre 2015 hat der Arbeitskreis wieder eine Broschüre mit dem Titel „Gasmotorwärmepumpen in Industrie und Gewerbe“ veröffentlicht.

Die Wärme- und Kälteversorgung in Produktionsumgebungen und Gewerbegebäuden bietet beim Einsatz von Gasmotorwärmepumpen ein hohes Energieeinsparpotential und die Möglichkeit, parallel heizen und kühlen zu können. Gasmotorwärmepumpen sind zur Wärmeerzeugung als Seriengeräte erhältlich in Leistungsklassen von ca. 26 bis 80 kW unter Nutzung von Wärmequellen, wie zum Beispiel Umgebungsluft oder Wasser. Die Broschüre richtet sich an Planer, Architekten und Fachkräfte aus Industrie und Gewerbe, die an innovativen energiesparenden Lösungen zur Wärme- und Kälteversorgung interessiert sind.

Ansprechpartner:
Mike Kozika
Siegburg