Arbeitskreis: Gasturbinen

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2015

Hervorragende Technik, schlechte Aussichten

Bereits im vergangenen Jahr hatten wir an dieser Stelle berichtet, dass der Absatz von Gasturbinen in Deutschland nahezu zum Erliegen gekommen ist. Weder im Kraftwerksmarkt noch im Bereich der regionalen oder kommunalen Heizkraftwerke wird zurzeit in Gasturbinen investiert.

Das Kraftwerk Irsching, gefeiert für seine hoch effiziente Gasturbine der Firma Siemens mit einem elektrischen Wirkungsgrad von nahezu 61 %, steht nun im zweiten Jahr still; der niedrige Strompreis, die starke Zunahme an erneuerbarer Stromerzeugung und die Volatilität der Kohlekraftwerke haben das Kraftwerk Irsching zur Ikone aller Verlierer der Energiewende werden lassen.

Ähnlich verhalten sich die Rahmenbedingungen für alle Stromerzeugungsanlagen mit Gasturbinen, soweit sie in das öffentliche Netz einspeisen und der Stromerlös nicht durch eine Förderung gestützt wird. Manche als KWK Anlagen betriebenen Gasturbinen-Anlagen sind darüber hinaus noch dem Zwang ausgesetzt, zur Wärmeerzeugung weiter betrieben werden zu müssen.

Das gesetzliche Umfeld ist geprägt durch eine große Unsicherheit. Das neue, zum 1. Januar 2016 in Kraft getretene KWK-Gesetz wird in seiner Anwendung blockiert durch die noch ausstehende EU-Notifizierung nach dem europäischen Beihilferecht. Solange aus Brüssel kein grünes Licht kommt, werden ebenfalls Bestandsanlagen nicht mit einem zusätzlichen KWK-Zuschlag gefördert.

Die im Jahr 2014 auch auf KWK-Anlagen eingeführte EEG-Umlage von nun 35 % wird schon im nächsten Jahr 40 % erreichen.

Gasturbinenkraftwerke produzieren nur rund ein Drittel der CO2-Mengen vergleichbarer Kohlekraftwerke. Ihre Einsatzkosten dürften zwischen 50 und 70 Euro/MWh liegen, gemessen an der hohen Einsparung an Treibhausgasen ein vertretbarer Wert. Die Verminderung an CO2-Emissionen könnte so kurzfristig realisiert werden.

Es bleibt zu hoffen, dass durch den Ausstieg aus der Kernkraft Gaskraftwerke, ob als reine Gasturbinen, als GuD oder als KWK Anlagen betrieben, in einigen Jahren wieder zur Stromerzeugung herangezogen werden und in einem volatilen Strommarkt, bestimmt von Wind- und Sonnenkraft, zu wirtschaftlichen Bedingungen wieder ihren Einsatz finden.

Festliches Treffen des Arbeitskreises in Bad Elster, Thüringen

Es war eine ganz besondere Atmosphäre, die den Expertenkreis Gasturbinen umgab, als er sich am 7. Mai 2015 in Bad Elster traf. Bad Elster ist ein traditionelles Staatsbad im alten Chursachsen; Badeeinrichtungen, Konzerthäuser, Theater und Wandelhallen sind mit großem Aufwand fein restauriert und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit eines ausgewählten Publikums. Unser Mitglied Martin Schwarzenberg von EINS ENERGIE SACHSEN hatte uns als Hausherr eingeladen. Der ansprechende Ort wird durch Fernwärme versorgt, deren Kernstück eine Centrax Gasturbine mit 25 kWel ist.

Die Tagung des Expertenkreises begann mit der Vorstellung der neuen Gasturbine der OPRA OP16 (1,85 MW) aus den Niederlanden. Die Entwicklung von kleinen Gasturbinen im Bereich von 1,5 bis 10 MWel deckt ein interessantes Marktsegment ab. Inzwischen befinden sich 90 Gasturbinen weltweit in Betrieb.

Herr Schimek von der TU Berlin am Lehrstuhl von Professor Paschereith untersucht die Wirkung der Dampfeinlösung in die Brennkammer von Gasturbinen. Dieses ermöglicht einen zusätzlichen Variationsparameter zur Kontrolle des Brennverhaltens. Neben der Reduktion von Emissionen kann die Leistung der Turbine bis zu 80 % gesteigert werden. Der Einsatz von Brennstoff kann Flexibilisierung werden. Zurzeit bestehen hohe Kosten der Wasseraufbereitung und Dampferzeugung demgegenüber.

Herr Nowakowski vom gwi in Essen berichtete von der durchzuführenden L/H-Gasumstellung im Nordwesten Deutschlands. Betroffen sind rund 5.000.000 Geräte und Heizungsanlagen. Die ersten Umstellungen erfolgen im Bereich Soltau und Fallingbostel. Die Auswirkungen auf Gasturbinen können thermo-akustische Schwingungen durch einen Anteil höherwertiger Kohlenwasserstoffe sein. Gasturbinen sollten auf die Gefahr eines Flammenrückschlags überprüft werden.

Herr Dr. Nowak stellt die neue ASUE-Broschüre „Gasturbinenkenndaten 2015“ vor, für die er im Auftrag der ASUE die Daten recherchiert hat. Neu aufgenommen wurden Mikrogasturbinen. Es werden 65 verschiedene Gasturbinentypen im Leistungsbereich zwischen 0,65 und 400 MW aufgeführt, im Verzeichnis der Referenzen werden fast 300 Gasturbinen aufgeführt. Die Recherche der Referenzanlagen gestaltet sich zunehmend schwierig durch die harte Wettbewerbssituation.

Herr Dr. Kühne vom AGFW berichtet über den aktuellen Stand der Fernwärmeversorgung in Deutschland. Im Wärmemarkt sind 13 Prozent der Wohnungen mit Fernwärme versorgt, 82 Prozent der Fernwärme kommt aus KWK-Anlagen. Zunehmende Herausforderungen sieht die Fernwärmewirtschaft in den schwankenden Stromanforderungen. Derzeitige Investitionen richten sich auf den Ausbau großer Wärmespeicher.

Herr Sternkopf vom Umweltbundesamt gibt den aktuellen Stand der Marktentwicklung im europäischen Emissionshandel wieder. 1.900 in Deutschland erfasste Anlagen produzieren 461 Mio. Tonnen CO2, davon sind 123 Mio. Tonnen CO2 der Industrie zuzuordnen. Im Jahr 2014 hatte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum die CO2-Produktion verringert, im Wesentlichen aufgrund des Anstiegs erneuerbarer Energien. Bei einem weiterhin geringen CO2-Preis ist eine Reform des Emissionshandels auch vor 2020 dringend erforderlich.

Herr Stelzle von Energie2Market konnte uns mit den Möglichkeiten der industriellen Kraftwerksbetreiber zur Teilnahme am Regelenergiemarkt berichten. Industrieunternehmen mit mehr als fünf MW Erzeugungsleistung sind auf die Teilnahme in einem Vermarktungspool angewiesen. Eine positive Auswirkung auf die Netzentgelte sollte Gegenstand weiterer gesetzlicher Regelungen sein. Die Preise schwanken im Mittel zwischen etwa 60 T€/MW für positive und 32 T€/MW für negative Sekundärregelleistung netto. Für Primärregelleistung können bis zu 200.000 Euro pro MW jährlich erlöst werden.

Fazit:

Der Gedankenaustausch während des Expertenkreises, das seit vielen Jahren bestehende, enge Netzwerk unserer Mitglieder und Gäste und der direkte Kontakt zur herstellenden Industrie zeigt die hohe Bedeutung des ASUE-Expertenkreises. Wir werden auch in den kommenden Jahren bemüht sein, diese in Deutschland einzigartige Institution zu erhalten.

Ansprechpartner:
Dietmar Jelinek
München