Arbeitskreis: Gasturbinen

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2016

Der Gasturbinenmarkt in Europa und insbesondere in Deutschland befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Situation. Neuaufträge für Gasturbinenhersteller befinden sich auf niedrigstem Niveau. Dies betrifft sowohl leistungsstärkere Anlagen im Kraftwerksmarkt als auch kleinere Anlagen im industriellen Anwendungsbereich der Kraft-Wärme-Kopplung. Das Hauptgeschäft für die Anbieter spielt sich seit einigen Jahren im amerikanischen und asiatischen Energiemarkt ab, wo die regulatorischen Eingriffe offensichtlich nicht so hoch sind und damit wesentlich günstigere Rahmenbedingungen im Vergleich zu Deutschland herrschen.

Dabei sollte die Politik ein Interesse daran haben, bestehende Gaskraft- bzw. Gasheizkraftwerke aufgrund ihrer Vorteile hinsichtlich der Flexibilität am Netz zu halten und neue Anlagen zu fördern. Hier scheint jedoch derzeit noch keine politische Lösung in Sicht. Aufgrund der komplexen Gesetzeslage und daraus resultierenden Unsicherheiten werden sich potentielle Investoren weiter zurückhalten.

Einige kommunale sowie industrielle Gasturbinenheizkraftwerksbetreiber haben den veränderten Rahmenbedingungen bereits Rechnung getragen und ihre Betriebsstrategie entsprechend modifiziert. Dies war eines der vielfältigen Themen, mit dem sich der ASUE-Gasturbinenexpertenkreis im vergangenen Jahr beschäftigt hat. So wurden Möglichkeiten und schon umgesetzte Maßnahmen zur Flexibilitätssteigerung von bestehenden Gasturbinenanlagen diskutiert. Diese können in der Steigerung der Laständerungsgeschwindigkeiten von Gasturbinen als auch in der Reduzierung des Teillastbereiches liegen und damit bessere Bedingungen für die Teilnahme am Regelenergiemarkt schaffen.

Der Expertenkreis verfolgt aufmerksam zunehmende Bestrebungen der Diversifizierung des Erdgasaufkommens in Europa und damit verbundene Wechsel der Gaszusammensetzung. Da die moderne, schadstoffarme Verbrennungstechnologie der Gasturbinenbrennkammern auf eine möglichst gleichbleibende Gasbeschaffenheit ausgerichtet ist, können hier in Zukunft große Probleme entstehen. Ziel des Expertenkreises ist die Zusammenarbeit mit Netzbetreibern und Forschungsinstituten, um die Anlagenbetreiber möglichst frühzeitig auf mögliche Konsequenzen aufmerksam zu machen. Auch die Anlagenhersteller stellen sich bereits auf diese Herausforderung ein. So betreibt Siemens seit ca. zwei Jahren in Ludwigsfelde ein „Clean Energy Center“, in dem Verbrennungsvorgänge in Gasturbinenbrennkammern mit unterschiedlichen gasförmigen und flüssigen Brennstoffen untersucht und validiert werden.

Ständige Vertreter im Arbeitskreis sind die Experten der Deutschen Emissionshandels- stelle, Bundesverband KWK sowie des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, die den Teilnehmerkreis über Entwicklungstendenzen und Folgen von Gesetzesänderungen der diversen Energiesteuern und Abgabenordnungen informieren. Daneben versucht der Expertenkreis, die Kontakte zu Anlagen- und Komponentenherstellern zu pflegen, um über den aktuellen Stand der Entwicklungen bei der Gasturbinentechnik zu informieren.

Ansprechpartner:
Dietmar Jelinek
München